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GC Fussball | 25.09.2022

«AUCH GEGNERISCHER BALLBESITZ BIETET CHANCEN»

Anne Pochert ist die neue Cheftrainerin bei GC Frauenfussball. Die 36-jährige Deutsche war während der letzten 18 Jahre beim FC Carl Zeiss Jena unter Vertrag – erst als Spielerin, dann als Trainerin verschiedener Juniorinnen-Stufen und zuletzt zwei Jahre als Trainerin des Frauen-Bundesliga-Teams. Bei GC will sie ihre grosse Erfahrung einbringen, um den Frauenfussball weiterzuentwickeln.

GC INSIDER: Du warst viele Jahre beim FC Carl Zeiss Jena tätig. Was nimmst Du von Deinem Engagement bei Jena mit?

Anne Pochert: Jena ist ein Club, der sehr viel aus seinen begrenzten Möglichkeiten macht. Die gute, engagierte und professionelle Arbeit zeichnet ihn aus. Dies zeigte sich vor allem im Juniorenbereich, in dem er dank intensiver Nachwuchsförderung zu den absoluten Topclubs gehört. Aber auch mit dem Frauen-Bundesliga-Team – insbesondere 2021 mit dem Wiederaufstieg in die erste Bundesliga – erreichten wir tolle Erfolge. Trotz des Abstiegs in der Folgesaison nehme ich sehr viel Positives mit, weil wir auch in dieser sportlich weniger erfolgreichen Zeit unsere Überzeugungen weitergelebt haben. In diesem Umfeld habe ich gelernt, dass man vieles erreichen kann, wenn man sich einsetzt, kämpft und sich gegen Widerstände durchzusetzen vermag.

Beim GC Frauenfussball ist in der letzten Saison einiges geschehen. Lara Dickenmann hat vieles angestossen und umgesetzt. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass das Projekt noch sehr jung ist und weiterentwickelt werden muss. Diesen Prozess kann ich mit meiner Erfahrung aus Jena sehr gut unterstützen. Ich freue mich, das Projekt mit voranzutreiben.

Wie gut kennst Du den Schweizer Frauenfussball bereits?

Es ist klar, dass ich nach wenigen Wochen noch keine Expertin des Schweizer Fussballs bin. Aber ich bin ja auch nicht allein, sondern kann auf das Wissen von Lara und von unseren erfahrenen Spielerinnen zurückgreifen. Im Moment ist es für uns alle aber noch schwierig einzuordnen, wo wir in dieser Saison als Team stehen. Diesbezüglich verschaffen uns die Spiele gegen Spitzenteams mehr Klarheit. Beim Sieg gegen den FCZ haben wir gezeigt, dass wir uns auch in diesen Spielen nicht einfach hinten reinstellen, um das 0:0 zu verteidigen.

Was hat Dich überzeugt, als Cheftrainerin zu GC zu kommen?

Nach 18 Jahren in Jena hatte ich Lust auf Veränderung. Auch in den vergangenen Jahren wurden immer mal wieder Angebote an mich herangetragen, auch aus dem Ausland, bei denen es teilweise um viel Geld ging. Aber ich war nie zu 100 Prozent davon überzeugt, und das Geld war für mich nie entscheidend. Was mich reizt sind spannende Projekte und gute Strukturen – damit konnte mich Lara dann auch überzeugen und zum Grasshopper Club Zürich lotsen. Hier sehe ich die Chance, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, ein spannendes Projekt und den Frauenfussball weiter voranzubringen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam Erfolg haben werden.

Was für einen Fussball möchtest Du bei GC spielen lassen? 

Ich bin eine Trainerin, die es definitiv bevorzugt, wenn wir den Ball am Fuss haben und spielerische Lösungen finden. Gleichzeitig ist es mir wichtig, einen aktiven, dominanten Fussball zu spielen. Ich will, dass wir dem Spiel unseren Stempel aufdrücken, dem Gegner unser Spiel aufzwingen. Dies gilt nicht nur in Phasen des Ballbesitzes, sondern auch für die Ballrückeroberung. Ich will aggressiv verteidigen und den Ball, wenn immer möglich, in hohen, vielversprechenden Positionen zurückgewinnen. Auch gegnerischer Ballbesitz bietet Chancen. Für diese Art von Fussball braucht es eine funktionierende Mannschaft, die füreinander rennt, sich einsetzt und kämpft.

Wie beurteilst Du den Saisonstart?

Mit dem Saisonstart bin ich selbstverständlich sehr zufrieden: Wir sind im Cup eine Runde weiter und haben in der Meisterschaft aus drei Spielen neun Punkte geholt. Dabei haben wir viele Tore geschossen, wobei sich zahlreiche Spielerinnen in die Torschützenliste eintragen konnten. Dies zeigt, dass wir variabel spielen können und dass wir eine tolle, junge Mannschaft haben, die sehr wissbegierig und erfolgshungrig ist. Aber es ist klar, dass sich das Team nach dem Umbruch im Sommer, bei dem sich einige Stammkräfte verabschiedet haben, erst noch finden muss. Das braucht Zeit, wird aber Spiel für Spiel besser werden. Im weiteren Meisterschaftsverlauf wird sich zeigen, an welchen Stellschrauben wir noch drehen müssen.

Was sind Deine Ziele für die angelaufene Saison?

Wir wollen die hervorragende letzte Saison bestätigen, in der sich das Team den 3. Rang erspielt hat und in den Cupfinal vorgestossen ist. Wir wollen zeigen, dass dies kein Zufall war. Dafür werden wir in unserer täglichen Arbeit die neuen Teammitglieder erfolgreich integrieren, die Spielerinnen weiterentwickeln und ein schlagkräftiges Team formen, das auch mit den Meisterschaftsfavoritinnen mithalten kann.

 

Maurice Desiderato